[heise] heise online: Open Access erneut auf der Agenda der europäischen Forschungspolitik
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Wed May 2 08:30:40 UTC 2007
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01.05.2007 10:22
Open Access erneut auf der Agenda der europäischen Forschungspolitik
EU-Forschungskommissar Janez Potocnik macht sich dafür stark, die
Freizügigkeit des Wissens als fünfte Säule neben dem in den
EU-Verträgen angestrebten freien Binnenmarkt für Waren,
Dienstleistungen, Kapital und Arbeit zu etablieren. In dem von ihm
erarbeiteten Grünbuch "Der Europäische Forschungsraum: Neue
Perspektiven[1]" (PDF-Datei), das die Brüsseler Kommission im April
verabschiedete, hatte Potocnik sechs Bereiche skizziert, auf denen die
Gemeinschaft vorankommen muss, wenn sie das im Jahre 2000 auf dem
Lissaboner Gipfel gesteckte Ziel eines einheitlichen Forschungsraumes
in Europa erreichen will.
So müsse dazu unter anderem die Fragmentierung des öffentlichen
Forschungssektors überwunden werden, die sich zunehmend als
Standortnachteil für Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen der
Wirtschaft erweise. Vielen Forschungseinrichtungen in Europa fehle die
kritische Masse, so dass sie unter den Beschränkungen der "suboptimalen
nationalen Systeme" Schwierigkeiten hätten, mit den ihnen zur Verfügung
stehenden Mitteln die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Im
Durchschnitt sei die Qualität der öffentlichen Forschung zwar gut, doch
in vielen Einrichtungen entspreche sie nicht dem höchsten
internationalen Niveau. "Daher sind Konzentration und Spezialisierung
notwendig", heißt es in dem Grünbuch.
Ob das auch die Schließung nationaler Einrichtungen zugunsten der
europäischen Harmonisierung beinhaltet, geht daraus nicht hervor;
diplomatisch heißt es nur, "zwischen Wettbewerb und Zusammenarbeit muss
das richtige Gleichgewicht gefunden werden". An der Suche können sich
ab heute im Rahmen einer Konsultation[2] bis zum 31. August alle
Interessierten und Betroffenen – Forscher, Wissenschaftsorganisationen,
Universitäten, Unternehmen, Organisationen der Zivilgesellschaft wie
auch einzelne Bürger – beteiligen. Auf der Basis des
Konsultationsverfahrens will die Brüsseler Kommission im kommenden Jahr
gezielte Initiativen entwickeln und vorstellen.
In dem Katalog von 35 Fragen, mit dem der Forschungskommissar zur
Diskussion anregt, geht es beispielsweise auch um die Förderung der
europaweiten Mobilität für Wissenschaftler durch harmonisierte
arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen. So lautet eine der in diesem
Zusammenhang zur Diskussion gestellten Fragen, wie sich für Forscher
"Flexicurity" – die Verbindung von Beschäftigungssicherheit und
Flexibilität – auf dem Arbeitsmarkt erreichen lässt.
"Die Erzeugung, Verbreitung und Nutzung von Wissen bilden den Kern des
Forschungssystems", betont das Grünbuch unter der Überschrift
"Austausch von Wissen"; "der zuverlässige, kostengünstige und
dauerhafte Zugang zu wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, sowie
deren weite Verbreitung, sollten daher das Fundament der europäischen
Forschungslandschaft bilden". Gleichwohl stellt die Kommission nun noch
einmal das "Open-Access"-Modell des für jedermann kostenfreien Zugang
zu den Ergebnissen der öffentlich geförderten Forschung zur Diskussion:
"Bedarf es auf EU-Ebene Regularien und Verfahren", will sie in dem
Fragenkatalog wissen, "um den freien Zugang zu den Rohdaten und zu den
wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Ergebnisse aus der öffentlich
geförderten Forschung sicherzustellen und zu verbessern?"
Dabei schien diese Frage längst positiv beantwortet. Speziell zu Open
Access hatte die Kommission schon einmal[3] eine Konsultation
durchgeführt, nachdem eine von ihr in Auftrag gegebene Studie[4]
(PDF-Datei) zu dem Ergebnis kam, dass ökonomische Fehlentwicklungen des
traditionellen Publikationswesens die Verbreitung des Wissens und den
wissenschaftlichen Fortschritt in einer Zeit behindern, in der das
Internet das Potenzial zu einer dramatischen Verbesserung bietet. Und
die Anfang des Jahres ins Netz gestellte Petition[5] europäischer
Forschungsorganisationen mit der Forderung nach einer Verpflichtung der
Zuwendungsempfänger bei der Mittelbewilligung, dass "Veröffentlichungen
aus der EU-finanzierten Forschung nach einer gewissen Zeitspanne in
Open-Access-Archiven verfügbar sein sollten", haben inzwischen mehr als
25.000 Unterstützer unterzeichnet.
Doch bei der Vorlage[6] des Strategiepapiers "Wissenschaftliche
Informationen im Digitalzeitalter[7]" (PDF-Datei) im Februar konnte
sich die Kommission nicht einmal dazu durchringen, der Empfehlung ihres
European Research Advisory Board (EURAB[8]) zu folgen. Auch dieses
Gremium, das je zur Hälfte aus Vertretern der Wirtschaft und der
Wissenschaft besteht, hatte der Kommission nahegelegt, dass Forscher,
die Mittel aus dem Siebten Forschungsrahmenprogramm der EU erhalten,
ihre Arbeiten spätestens ein halbes Jahr nach der Publikation in einer
Zeitschrift frei im Internet zugänglich machen sollten.
(Richard Sietmann) /
(anw[9]/c't)
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[1] http://ec.europa.eu/research/era/pdf/era_gp_final_de.pdf
[2] http://ec.europa.eu/research/era/consultation-era_en.html
[3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/71936
[4] http://europa.eu.int/comm/research/science-society/pdf/scientific-publication-study_en.pdf
[5] http://www.ec-petition.eu/
[6] http://www.heise.de/newsticker/meldung/85512
[7] http://ec.europa.eu/research/science-society/document_library/pdf_06/communication-022007_de.pdf
[8] http://ec.europa.eu/research/eurab/index_en.html
[9] mailto:anw at ct.heise.de
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