[heise] heise online: Datenpanne bei der Bundeswehr

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Tue Jun 26 10:13:09 UTC 2007

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25.06.2007 16:12

Datenpanne bei der Bundeswehr

Das Bundesverteidigungsministerium[1] hat laut einem Medienbericht
gegenüber dem Verteidigungsausschuss eine Datenpanne eingestanden.
Durch diese sei im "Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr" (ZNBw)
der gesamte Bestand an Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999
bis 2003 vernichtet worden. Es habe sich sich dabei um "brisante
geheime Berichte über die Auslandseinsätze der Bundeswehr" gehandelt,
beispielsweise vom Bundesnachrichtendienst, von den Militärattachés im
Ausland, sowie um Mitteilungen ausländischer Nachrichtendienste. Die
Berichte hätten der politischen Spitze zur Beurteilung der Lage in den
Ländern gedient, in denen die Bundeswehr eingesetzt ist, insbesondere
Kosovo und Afghanistan. Das haben nach eigenen Angaben das
ARD-Politikmagazin Report Mainz und tagesschau.de[2] ans Tageslicht
gebracht. Das Politikmagazin befasst sich in seiner Sendung am heutigen
Montag um 21:45 Uhr mit dem Thema.

Die Panne sei aufgedeckt worden, als der Verteidigungsausschuss des
Bundestages Unterlagen aus dem Datenbestand der Bundeswehr aus dem
Jahre 2002 angefordert hatte, teilt Report Mainz[3] mit. Der Ausschuss
habe den "Beweisbeschluss" am 23. Mai dieses Jahres gefasst, um den
Umgang der in Afghanistan eingesetzten "Kommando Spezialkräfte (KSK)"
mit dem damaligen Häftling Murat Kurnaz in Kandahar aufzuklären. Dem
Politikmagazin liege ein Schreiben an den Ausschuss vor, in dem
Staatssekretär Peter Wichert einräume, dass die betreffenden Daten
"Ende 2004 verlorengegangen" seien.

Meldungen von Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz, deutschen
Militärattachés, vom Bundesnachrichtendienst, Auswärtigen Amt sowie von
anderen deutschen Ministerien und Behörden werden zum ZnBw nach
Grafschaft-Gelsdorf geschickt und dort seit 1998 in einem
Computersystem namens "Jasmin" (Joint Analysis System Military
Intelligence) gespeichert. Dieses System sei bereits nach wenigen
Jahren	an die Grenze der Speicherkapazität gekommen, erläuterte die
Bundeswehr. Auch hätten Einzelkomponenten "ihre technische
Lebenserwartung" erreicht. Als im Jahr 2004 versucht worden sei, die
Leistung des Systems zu verbessern, seien nicht mehr direkt benötigte
Daten außerhalb von "Jasmin" auf Bändern archiviert worden.

Es habe sich jedoch bald gezeigt, dass die Informationen nicht mehr
lesbar waren – nach Angaben Wicherts habe nach einen technischen Defekt
der Datensicherungsanlage Ende 2004 ein Austauschgerät installiert
werden müssen.
Bei dem Versuch, die gespeicherten Daten auf das Ersatzgerät zu
übertragen, sei festgestellt worden, "dass ein Teil der Bandkassetten
im Datensicherungsroboter nicht mehr lesbar war." Der Versuch, die
Daten wieder zugänglich zu machen, sei
gescheitert, heißt es laut dpa weiter. "Entsprechend der gültigen
Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr
lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet", erklärt Wichert in dem
Schreiben.
 (anw[4]/c't)

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http://www.heise.de/newsticker/meldung/91700

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg
  [2] http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6990932_REF1,00.html
  [3] http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/nid=1197424/did=2269908/kbr9uf/index.html
  [4] mailto:anw at ct.heise.de

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