[heise] heise online: Filmindustrie sucht nach undichten Stellen

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Sun Jun 24 18:30:56 UTC 2007

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23.06.2007 11:14

Filmindustrie sucht nach undichten Stellen

Moderne Piraten wüten nicht in der Karibik, sondern im Internet und auf
der Straße. Dort vertreiben die digitalen Freibeuter Filme oder Musik
und treiben damit zwei stolze Industrien in den Ruin. So zumindest tönt
es seit Jahren aus Hollywood[1] und den PR-Abteilungen der Big Four[2].


Ob der nicht wegzudiskutierende Umsatzrückgang aber ausschließlich mit
illegal verbreiteten Kopien begründet werden kann, wird derzeit in den
USA wieder heiß diskutiert. In der Sommer-Saison, die klassische
Kinozeit in Amerika, starten die großen Blockbuster und Familienfilme.
Das Wall Street Journal berichtet von den Bemühungen der Filmbranche,
einer neuen Piraterie-Welle Herr zu werden. Gleich drei Filme, in die
hohe Erwartungen gesetzt werden, sind schon vor dem Kinostart im Netz
und auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht. Die Industrie sucht jetzt nach
den Quellen der illegalen Kopien.

Der Dokumentarfilmer Michael Moore sieht die Vorab-Premiere seines
neuen Werkes "Sicko" (über das Gesundheitswesen) in den P2P-Netzen als
willkommene Verbreitung seiner Botschaft. Moore hält die Urheberrechte
für zu restriktiv und den Ansatz der Industrie, die Filesharer auf dem
Rechtsweg zu verfolgen, für falsch. Die Verleiher des Films, der am 29.
Juni in die US-Kinos kommen soll, sehen das anders. Sie haben jetzt
Ermittler beauftragt, die Quelle des online veröffentlichten Materials
zu enttarnen.

Die kann bei noch nicht offiziell angelaufenen Filmen eigentlich nur
innerhalb der Industrie selbst liegen. Außer der Panne bei "Sicko"
deutet auch im Fall zweier anderer derzeit zirkulierender Filme –
Disneys Animationsfilm "Ratatouille" und der Horror-Schocker "Hostel 2"
– alles in diese Richtung. Eine mögliche Quelle sind die zahlreichen
Testvorführungen, bei denen die Studios ihre Filme mit Hilfe von
Fragebögen und Fokusgruppen bis zur allerletzten Minute auf die
Publikumserwartungen trimmen. Das führt nicht nur zu immer
formelhafteren Filmen, sondern auch zu einem Sicherheitsproblem.

Innerhalb der Filmindustrie glaubte man allerdings, das in jüngster
Zeit besser in den Griff bekommen zu haben. Strenge
Sicherheitsvorkehrungen herrschen an den Produktionsstätten und bei
Vorabvorführungen; auch Journalisten müssen bei Presse-Screenings nicht
nur ihre Jacke abgeben. Doch scheint es weiter Lücken zu geben. Disney
hat "Ratatouille" vor dem Kinostart am 29. Mai rund 800-mal in so
genannten Sneak Previews gezeigt. Experten schätzen laut WSJ, dass die
im Netz verbreitete Kopie auf einer dieser "Sneaks" aufgezeichnet
worden sein könnte.

Im Fall von "Sicko" und "Hostel 2" stammt das Ausgangsmaterial wohl
direkt aus dem Produktionsprozess, offenbar von Arbeitskopien. Die
Macher des zum noch jungen Genre "Torture Porn" zählenden Streifens
"Hostel 2" machen denn auch die Piraterie gleich für das enttäuschende
Einspielergebnis zum Start verantwortlich. Während "Hostel" als
Low-Budget-Produktion (rund 5 Millionen US-Dollar) bereits am ersten
Wochenende das Vierfache seiner Produktionskosten einspielte, blieb das
Startergebnis des Nachfolgers hinter seinem Budget von etwa 10
Millionen US-Dollar zurück. Das, so halten Filmkritiker dagegen, könne
allerdings auch daran liegen, dass "Hostel 2" einfach ein schlechter
Film ist.(vbr)
 (gr[3]/c't)

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