heise online: Bundesregierung: Terroristen nutzten keine deutschen Pässe

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Tue Jun 19 14:20:17 UTC 2007

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19.06.2007 15:57

Bundesregierung: Terroristen nutzten keine deutschen Pässe

Bei keinem durchgeführten oder geplanten und aufgedeckten
Terroranschlag seit dem Jahr 2000 wurden deutsche Ausweise von
Terroristen benutzt. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung[1]
(PDF-Datei) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion[2] (PDF-Datei)
hervor. Diese begehrte Auskunft über die Frage, ob biometrische Pässe
aus Sicherheitsgründen notwendig seien.

Insgesamt wurden nach regierungsamtlicher Auskunft zwischen 2001 und
2006 trotz erhöhter Terrorgefahr nur 6 Fälschungen und 344
Verfälschungen deutscher Pässe durch die Bundespolizei festgestellt.
Auf die Bitte der Linksfraktion, die Benutzung deutscher Pässe bei
Terroranschlägen oder Anschlagsplanungen tabelliert nach Jahr und
Anlass darzustellen, lautet die lakonische Antwort: "Der
Bundesregierung sind keine derartigen Fälle bekannt." Damit ist die
Argumentationskette brüchig geworden, die die Aufnahme biometrischer
Informationen als sinnvolle Maßnahme im Kampf gegen den Terror
begründet.

Mit der Antwort der Bundesregierung gewinnt der Aufruf zum Boykott der
Abnahme von Fingerabdrücken[3] an Plausibilität, den der Chaos Computer
Club veröffentlicht hatte. In dem Aufruf bezeichnete der CCC die ab
Herbst 2007 geplante Aufnahme von Fingerabdrücken als "teure
Sicherheitssimulation ohne Nutzen".

Neu ist die Erkenntnis freilich nicht. Bereits in dem 2005
veröffentlichten Buch zum ePass[4] kommen die Autoren Jöran Beel und
Béla Gipp zu dem Schluss, dass der deutsche ePass als einer der
fälschungssichersten Ausweise der Welt wohl kaum von Terroristen
benutzt werden dürfte, da diese auf leichter fälschbare Papiere
ausweichen könnten. Die Autoren, die in ihrer Sicherheitsanalyse die
Lebensdauer der RFID-Chips als größte Schwachstelle des ePasses
bewerteten, kritisierten seinerzeit auch die Informationspolitik des
Bundes. Politiker wie Beamte würden so tun, als sei eine technisch
ausgreifte und perfekte Lösung im Kampf gegen den Terrorismus gefunden
worden.

Zum ePass, dem neuen elektronischen Personalausweis und den
Auseinandersetzungen um Ausweise mit digitalisierten biometrischen
Merkmalen siehe den Online-Artikel in c't – Hintergrund[5]:

Die Auseinandersetzung um Ausweise mit digitalisierten biometrischen
Merkmalen[6]

(jk[7]/c't)

URL dieses Artikels: 
http://www.heise.de/newsticker/meldung/91398

Links in diesem Artikel:
  [1] http://dip.bundestag.de/btd/16/055/1605507.pdf
  [2] http://dip.bundestag.de/btd/16/052/1605228.pdf
  [3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/91223/
  [4] http://www.beel.org/epass/
  [5] http://www.heise.de/ct/hintergrund/
  [6] http://www.heise.de/ct/hintergrund/meldung/65898
  [7] mailto:jk at ct.heise.de

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