[heise] heise online: AT&T will Filter gegen illegale Kopien von Musik und Filmen einsetzen
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Fri Jun 15 14:10:04 UTC 2007
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14.06.2007 12:19
AT&T will Filter gegen illegale Kopien von Musik und Filmen einsetzen
AT&T[1] arbeitet als erster Provider mit der Musik- und Filmindustrie
zusammen, um technisch die Verbreitung urheberrechtlich geschützter
Inhalte über das eigene Netz zu verhindern. Dies verkündete Jim
Cicconi, Justiziar der größten US-Telekommunikationsfirma, am gestrigen
Mittwoch auf der Konferenz Digital Hollywood[2] im kalifornischen Santa
Monica. "Wir wollen in unserer Piraterie-Initiative eine
Netzwerk-basierte Lösung entwickeln", erklärte Cicconi laut
US-Medienberichten. Wie diese konkret aussehen und welcher Ansatz zum
Herausfiltern einzelner geschützter Dateien zum Tragen kommen soll,
wusste der Manager noch nicht zu berichten. Er schloss nur aus, dass
sein Haus ganze Websites blockieren wolle, über die widerrechtlich die
geschützten Inhalte vertrieben werden.
Zugangsprovider waren bislang weltweit äußerst skeptisch und
zurückhaltend bei der Implementierung netzseitiger Filterlösungen. Sie
fürchten, dass diese entweder leicht zu umgehen sind oder
Kollateralschäden im gesamten Netzwerk auslösen und zu große Teile des
Internet blockieren. Datenschützer haben zudem rechtliche Bedenken[3]
gegen netzseitige Inhaltsfilter. AT&T sieht die Zukunft aber vor allem
auch im Online-Geschäft mit Bezahlinhalten und die eigenen Interessen
daher verstärkt verknüpft mit denen Hollywoods und der Musikindustrie.
Die Führungsebene des Telekommunikationsriesen hat Cicconi zufolge
daher jüngst entschieden, dem Copyright-Schutz im Netz höhere Priorität
einzuräumen und dem Drängen großer Hollywood-Studios und
TV-Produktionsfirmen wie Viacom und des Branchenverbands Motion Picture
Association of America (MPAA[4]) nachzugeben.
Cicconi führte als Begründung für den Gesinnungswechsel ferner das
Argument an, dass die Übertragung Copyright-verletztender Inhalte
zunehmend das AT&T-Netzwerk verstopfe sowie dem Konzern Bandbreite und
damit Geld koste. "Wenn jemand einen Server in seinem Keller an unser
Netz anschließt und illegale Filmkopien hochlädt, erhöht dies die
Kosten für alle und verursacht Staus auf der Datenautobahn, ohne dass
wir dafür eine Entschädigung erhalten", betonte der Rechtsexperte. Sein
Haus gebe rund 18 Milliarden US-Dollar für die Wartung des Netzwerks
aus. Ein signifikanter Anteil davon sei nötig, um mit dem
Traffic-Wachstum Schritt zu halten. AT&T tritt andererseits bereits
seit längerem für Möglichkeiten ein, bestimmte Inhalte- und
Datenklassen privilegiert durch die Netzleitungen fließen zu lassen und
hat damit den seit langem vor sich hin kochenden Streit um die so
genannte Netzneutralität[5] mit entfacht.
Der Providerveteran Jay Samit konnte den Gesinnungswandel bei AT&T
dagegen nicht ganz verstehen, da der Konzern genauso wie viele andere
Zugangsanbieter seit Jahren Kasse auch mit der Weiterleitung
geschützter Werke mache: "Der leicht erfassbare Grund dafür, dass sich
Leute Breitband zulegen, ist das Beschaffen von Inhalten." Auch
US-Bürgerrechtsvereinigungen kritisieren das Vorhaben scharf. "AT&T
riskiert, in einem letzten Aufgebot viel Geld und Arbeitskraft für das
Stopfen eines alten Lochs in der Wand zu verschwenden, während
gleichzeitig neue aufbrechen", geht Fred von Lohmann von der Electronic
Frontier Foundation (EFF[6]) von einem aussichtslosen Kampf aus. Seine
Organisation gehört zu einer Reihe von Bürgerrechtsvereinigungen, die
gegen AT&T wegen Verwicklungen in die Bespitzelungsaktionen der
National Security Agency (NSA) rechtlich vorgeht[7]. Die digitale
Technik gebe den Verbrauchern unbegrenzte Möglichkeiten zum Kopieren an
die Hand, gibt von Lohmann weiter zu bedenken. Die Antwort darauf könne
es daher nicht sein, sie am Vervielfältigen zu hindern. Vielmehr müsse
die Industrie neue Wege finden, um die Konsumenten in zahlende Kunden
zu verwandeln.
Zu den Diskussionen um das geistige Eigentum, zu den juristischen
Streitigkeiten um das Urheberrecht und illegale Kopien urheberrechtlich
geschützter Werke sowie zur Novellierung des deutschen
Urheberrechtsgesetzes siehe den Online-Artikel in "c't Hintergrund[8]"
(mit Linkliste zu den wichtigsten Artikeln aus der Berichterstattung
auf heise online und zu den Gesetzesentwürfen und -texten):
Die Auseinandersetzung um das Urheberrecht in der digitalen Welt[9]
(Stefan Krempl) /
(jk[10]/c't)
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