heise online: Google und Intel gründen Initiative für energieeffiziente Computer

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Wed Jun 13 15:17:39 UTC 2007

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13.06.2007 10:57

Google und Intel gründen Initiative für energieeffiziente Computer

Die Climate Savers Computing Initiative[1] verlangt nichts technisch
Unmögliches, sondern setzt – ähnlich wie das bei der Ökosteuer einst
gedacht war – auf die planmäßige Verschärfung von Grenzwerten, um die
Energieeffizienz von PCs und Servern kontinuierlich zu steigern. Die
Initiative haben Google und Intel ins Leben gerufen, aber neben
Umweltschutzorganisationen wie dem World Wildlife Fund und dem Energy
Star der US-Umweltbehörde EPA sowie einigen Energieversorgern machen
vor allem Computerhersteller mit; auch Intel-Konkurrent AMD sowie
Microsoft, eBay und einige Linux-Distributoren haben sich mit ins Boot
gesetzt.

Die Strategie der Climate Savers Computing Initiative ist simpel:
Ausgehend von der Feststellung, dass heutige Desktop-PC-Netzteile
typischerweise lediglich 70 Prozent der aus dem Stromnetz entnommenen
Leistung an die Niederspannungsseite weiterreichen und dort bei
weiteren Wandlungsschritten noch einmal fast 30 Prozent Energie nutzlos
als Wärme verloren gehen (bei Servern sieht es meistens etwas besser
aus), fordert die Initiative effizientere Wandlertechnik. Im ersten
Schritt, nämlich ab Juli 2007, lautet die Vorgabe für Desktop-Rechner:
Energy Star 4.0 und 80-Plus-Netzteile[2]. Ab Juli 2008 (die
Verschärfungen erfolgen jeweils zur Jahresmitte) sollen dann Netzteile
mit mindestens 82 Prozent Effizienz und 85 Prozent bei 50 Prozent Last
kommen. 2009 lautet die Vorgabe 85 Prozent in den ungünstigeren
Belastungsfällen 20 Prozent und Volllast sowie 88 Prozent bei halber
Last, 2010 sollen dann 90/87 Prozent erreicht werden. Bei den Servern
sind die Effizienzvorgaben jeweils um 2 bis 5 Prozentpunkte höher
angesetzt.

Programme wie Energy Star 4.0 entfalten ihre Wirkung vor allem dadurch,
dass große Firmen und öffentliche Institutionen die Grenzwerte in ihre
Ausschreibungstexte übernehmen; noch immer stellen gewerblich genutzte
Computer den größeren Stückzahlanteil am weltweiten PC-Markt (wobei der
Heimrechnermarkt allerdings schneller wächst). Vor allem die großen
PC-Hersteller sehen sich deshalb gezwungen, die ab 20. Juli deutlich
verschärften Energy-Star-4.0-Vorgaben einzuhalten; Dell und HP[3] sowie
Fujitsu Siemens[4] haben bereits konforme Geräte im Lieferprogramm. AMD
hat bereits vor einem Jahr eine Baureihe besonders sparsamer
Prozessoren gestartet, Intel zog mit der Core-Mikroarchitektur nach.
Auch bei grafikfähigen Mainboard-Chipsätzen für Bürocomputer und
Grafikkarten der unteren Performance-Klasse ist vergleichsweise
sparsamer Betrieb mittlerweile ein breiter diskutiertes Argument. Nicht
zu unterschätzen ist auch die werksseitige Vorkonfiguration der
Energieverwaltung des Betriebssystems auf möglichst sparsamen Betrieb,
weil damit viele Laien überfordert sind und komplizierte
Spezifikationen wie ACPI sowie zahlreiche Bugs und Inkompatibilitäten
die Nutzung an sich vorhandener Stromsparfunktionen noch häufig
verhindern.

Ob freiwillige Aktionen wie die Climate Savers Computing Initiative
oder der von AMD ins Leben gerufene "Green Grid"[5] weitreichende
Wirkung entfalten, muss sich noch zeigen. Viele Käufer entscheiden
schlicht nach dem Gerätepreis, wobei Google und Intel in den ersten
Jahren mit rund 20 bis 30 US-Dollar Mehrkosten für einen
"Klimarettungs"-Computer rechnen – dieser Betrag soll sich zwar alleine
schon über eingesparte Stromkosten amortisieren, aber gerade beim
Wettbieten auf große Ausschreibungen zählt bei den PC-Herstellern
buchstäblich noch der letzte Cent.

Wohl auch deshalb scheut auch die Climate Savers Computing Initiative
vor klaren absoluten Grenzwerten für die Volllast-Leistungsaufnahme
bestimmter Geräteklassen zurück – immerhin beweisen Notebooks, dass man
auch zu vertretbaren Preisen Bürocomputer bauen könnte, die mit
deutlich weniger als 20 Watt im Leerlauf und kaum mehr als 30 Watt
unter Volllast auskommen – sogar inklusive Display. Energy Star 4.0
lässt bei Desktop-Rechnern 50 Watt im Leerlauf zu und begrenzt die
maximale Leistungsaufnahme nicht.

Erik Teetzel, der Technical Program Manager von Google, bezog auch
Stellung zum Konzept einer "Single-Rail"-Versorgung der PC-Technik mit
beispielsweise 12 Volt. Man habe tatsächlich darüber nachgedacht und
die Effizienzvorteile im Vergleich zu den typischen PC-Netzteilen mit
mehreren Spannungsschienen analysiert; in einigen Servern kämen heute
bereits Single-Rail-Konzepte zum Einsatz. Vor allem bei der Betrachtung
der Wandlertechnik für Desktop-Rechner habe sich indes gezeigt, dass
wegen der zahlreichen zusätzlichen Wandler auf dem Mainboard und in den
einzelnen Komponenten der Umstieg auf eine eingleisige
12-Volt-Versorgung im Allgemeinen keine wesentlichen Vorteile bringen
würde. Das schließe spezielle, besonders effiziente Lösungen ja nicht
aus – die Climate Savers Computing Initiative ziele aber darauf ab, die
Masse der Rechner auf möglichst kostengünstige Weise effizienter zu
machen, um den heute noch nötigen Preisaufschlag für sparsame Wandler
über die Jahre zu tilgen.

Der Vorstoß der neuen Initiative ist löblich, doch eines der Ziele ist
auch, die Mitglieder in ein positives Licht zu rücken. Intel etwa hat
sich erst nach anhaltendem Druck zum Trend-Thema Umweltschutz[6] (nicht
zufällig macht auch die Kaffee-Kette Starbucks mit) bekehrt: Gerade
erst[7] hat der Marktführer mit dem Celeron D ein Musterbeispiel an
Effizienzmangel zu Grabe getragen – immerhin scheute sich Intel
nicht[8], die vor allem im Leerlauf verschwenderischen Pentium-4[9]-
und Xeon[10]-Prozessoren mit NetBurst-Innenleben hundertmillionenfach
zu verkaufen. Außerdem hilft auch der effizienteste Wandler nichts,
wenn CPU, Chipsatz und 3D-Grafikkarte weiterhin (zu) viel Energie
versimmern – vor 10 Jahren etwa[11] war ein 10-Watt-Prozessor noch kein
bejubelter Stromsparer[12], sondern lag in der Mittel- bis Oberklasse
der Leistungsaufnahme. So gesehen muss Intel nun noch viele Jahre lang
kräftig beim Sparen helfen, um die Sünden der Vergangenheit zu
kompensieren.
 (ciw[13]/c't)

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