heise online: Wächst im digitalen Zeitalter die Vergesslichkeit?

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Mon Jun 11 17:11:23 UTC 2007

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11.06.2007 15:28

Wächst im digitalen Zeitalter  die Vergesslichkeit?

Korea ist ein Land, das ganz auf digitale Technik setzt. Dort hat man
angeblich an jüngeren Menschen zwischen 20 und 30 Jahren beobachtet,
dass sie zunehmend an Vergesslichkeit wegen der Informationsflut
leiden, mit der sie am Arbeitsplatz und in der Freizeit konfrontiert
sind. Um die Flut zu bewältigen, tritt das Erinnern zurück; das
Gedächtnis wird an die Geräte delegiert, von denen man schließlich
immer abhängiger werde: Man muss sich nicht mehr erinnern, wenn man nur
noch suchen muss. Angeblich würden bereits manche Südkoreaner ärztliche
Behandlung suchen, wenn die Symptome der Vergesslichkeit stärker
werden, die Mediziner die "digitale Alzheimer-Krankheit" oder "digitale
Demenz" nennen. 

Mediziner wie Prof. Yeon Byeong-kil vom Hallym Medical Center sehen
neben den exzessiven Informationsmengen, die auf die Menschen
einströmen, weitere Faktoren wie Stress oder Angst, die Vergesslichkeit
fördern: "Menschen mit Depressionen neigen zum Vergessen, weil sie
gegenüber der Umwelt gleichgültig werden und sich ihr Denken
verlangsamt." Prof. Lee Dong-young vom Seoul National University
Hospital meint, dass Patienten, die unter Vergesslichkeit leiden, meist
als normal diagnostiziert würden, weil sie sich bei Tests besser
konzentrieren: "Aber in den meisten Fällen wird digitaler Alzheimer von
einem Mangel an Aufmerksamkeit aufgrund der vielen Informationsquellen
verursacht." Und Prof. Yoon Se-chang vom Samsung Medical Center sieht
ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Erinnerungsschwund und
technischen Gedächtnissystemen: "Da sich die Menschen mehr auf die
Informationssuche als auf das Erinnern verlassen, entwickelt sich die
Gehirnfunktion des Suchens, während sich die Gedächtniskapazität
vermindert. Eine starke Abhängigkeit von digitalen Geräten vermindert
die Fähigkeit, sich zu erinnern."

Im Hintergrund der Debatte in Südkorea über "digitalen Alzheimer" – der
allerdings keine Krankheit bezeichnet, sondern ein Symptom
gesellschaftlicher Veränderungen – steht eine Umfrage, die von der
Job-Website Incruit in Auftrag gegeben wurde. Befragt wurden über 2.000
Büroangestellte, von denen 63 Prozent sagten, dass sie unter
Vergesslichkeit litten. Ein Sechstel davon gab als Grund ihre wachsende
Abhängigkeit von Handys, PCs und anderen digitalen Geräten an.

Siehe dazu auch in Telepolis:

Droht uns die "digitale Demenz"?[1]

(fr[2]/Telepolis)

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