[heise] heise online: Google Earth, die Terroristen und die Sicherheit
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Tue Jun 5 12:43:46 UTC 2007
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05.06.2007 13:21
Google Earth, die Terroristen und die Sicherheit
Der jüngste, vom FBI vereitelte Anschlagsplan islamistischer
Terroristen hat erneut eine Debatte um Gefährdungen der Sicherheit
durch Google Earth ausgelöst. Am vergangenen Freitag wurde vom
US-Justizministerium die Festnahme von drei muslimischen Männern
bekannt gegeben[1], die zusammen mit einem weiteren Flüchtigen seit
Januar 2006 geplant hatten, auf dem "John F. Kennedy"-Flughafen in New
York Benzintanks, Pipelines und Gebäude zu sprengen. Das FBI hatte nach
eigenen Angaben im Sommer 2006 einen Informanten in die Gruppe
einschleusen und dadurch zahlreiche Gespräche aufzeichnen können. Die
Anschlagsplaner hätten versucht, die Pläne radikalen Gruppen in
Südamerika und in der Karibik zu unterbreiten, um Finanzierung und
Sprengstoff zu erhalten.
Als sie mit der Führung der Terrorgruppe Jamaat Al Muslimeen ("JAM")
aus Trinidad Kontakt aufnehmen wollten, wurden sie gefasst. Allerdings
hatten die Verdächtigen bislang kein Geld aufgetrieben; auch wäre ihr
Plan, die Benzintanks und Pipelines zu sprengen und damit die Anschläge
vom 11.9.2001 zu überbieten, angeblich technisch gar nicht möglich
gewesen. "Wenn der Plan ausgeführt worden wäre", sagte Staatsanwältin
Roslynn Mauskopf gleichwohl, "hätte er zu unvorstellbaren Schäden,
Toten und Zerstörungen geführt." Es sei "einer der erschreckendsten
Pläne, die man sich überhaupt vorstellen" könne (vgl. Der geplante
Terroranschlag und die Medien[2] in Telepolis).
Tanks auf dem J.F.K.-Flughafen. Satellitenbild von Microsoft Virtual
Earth
Unter den Festgenommenen befand sich ein 63-jähriger,
in Guyana geborener US-Bürger, der früher auf dem Flugplatz gearbeitet
hatte und diesen zusammen mit einem ehemaligen Abgeordneten aus Guyana
für den geplanten Anschlag ausgespäht hat. Dazu haben die beiden ab
September 2006 Informationen gesammelt, Fotografien und Videos gemacht,
Karten angefertigt und auch Satellitenbilder von Google Earth
heruntergeladen, weil die Videoaufnahmen zu ungenau waren. Mit den
Satellitenbildern konnten, so die Anklageschrift, die Treibstofftanks
und der Kontrollturm lokalisiert werden.
Bereits am 3. Mai fand im US-Senat eine Anhörung[3] über das Internet
als "Portal für islamistische Extremisten" statt, in der Google Earth
ebenfalls schon als Problem ausgemacht wurde. Senator Joseh Lieberman,
der Vorsitzende des Ausschusses, sagte, man dürfe den Cyberspace nicht
den Terroristen überlassen, die zur Rekrutierung, zur Propaganda und
Planung von neuen Anschlägen benutzen. Man müsse die Online-Aktivitäten
überwachen, die Websites stören oder vom Netz nehmen und "Trolle"
einsetzen, um die Glaubwürdigkeit der Terroristen für deren Anhänger zu
untergraben oder interne Streitigkeiten zu fördern. Google Earth wurde
als eine der Informationsquellen im Internet genannt, die die
"Dschihadisten" für ihre "operative und strategische Aufklärung nutzen:
"Google Earth bietet leicht zu verwendende Karten aufgrund von
verfügbaren Satellitenaufnahmen und wurde benutzt", erklärte Leutnant
Joseph H. Felter, Direktor des Combat Terrorism Center der U.S.
Military Academy, "um Angriffe im Irak zu planen."
Google ist schon mehrmals wegen der Satellitenbilder von möglichen
Angriffszielen unter Druck geraten und hat im Irak[4], in
Großbritannien, in den USA, in Indien[5] oder Südkorea bereits neuere
Bilder durch ältere ersetzt, die Auflösung von Bildern herabgesetzt,
Aufnahmen unscharf gemacht oder Details eingeschwärzt.
Auf dem Hintergrund der neuen Anschuldigungen aus Washington teilte
Google mit[6], man verfolge mit großer Aufmerksamkeit die Sorgen, dass
Google Earth "neue Sicherheitsrisiken" schaffe, und sei zur Kooperation
bereit: "Google nimmt die Sicherheitsbedenken sehr ernst und ist stets
dazu bereit, sie mit den Behörden zu diskutieren." Google verweist auf
Studien, nach denen die Vorteile gegenüber den Risiken überwiegen, wenn
man Bilder der Öffentlichkeit zugänglich macht, und sagt, dass die
Regierung die Verfügbarkeit von Satellitenbildern einschränken könne.
Zudem sei Google keineswegs der einzige Anbieter von Satelliten- und
Luftaufnahmen. Dazu käme, dass "jeder, der über ein Grundstück fliegt
oder durch es hindurchfährt, ähnliche Informationen erhalten kann".
Sicherheitsbedenken sollten in erster Linie daher an die Firmen und
Behörden gerichtet werden", die die Bilder sammeln und verbreiten".
Auch in Australien steht Google Earth gerade in der Kritik[7], da auch
hier Satellitenbilder von militärischen Stützpunkten oder
Regierungsgebäuden zugänglich sind. Google Australia argumentiert
ähnlich wie die US-Zentrale und erklärt, die Satellitenbilder seien
nicht als geheim klassifiziert und die Sicherheitsbehörden hätten
bislang noch nicht darum gebeten, bestimmte Orte zu zensieren.
Kritisiert wird, dass es zwar verboten sei, über manche Orte zu
fliegen, man aber trotzdem Satellitenbilder von diesen haben könne. Man
nehme die australischen Sicherheitsbedenken ernst, meinte
Google-Sprecher Rob Shilkin. "Da aber die Bilder nicht in Echtzeit
zugänglich sind und von zahlreichen anderen privaten und staatlichen
Quellen angeboten werden, glauben wir, dass Google Earth und Google
Maps keine Bedrohung der australischen Sicherheits darstellen."
Es steht zu erwarten, dass sich die Zensurforderungen der Regierungen
auf immer größere Bereiche erstrecken könnten, schließlich sind
besiedelte Gebiete, zahlreiche Industrieanlagen oder Teile der
Infrastruktur allesamt potenzielle Ziele von terroristischen
Anschlägen. So wies[8] die New Yorker Polizei im Kontext des
Anschlagsplans auf den Flughafen darauf hin, dass es noch unzählige
weitere gefährdete Ziele wie Wasserleitungen, Belüftungsanlagen von
Tunnels oder andere symbolische Gebäude gebe, die man alle schützen
müsse. Allein die Pipeline, die zum Flughafen führt, geht nicht nur
durch viele Stadtteile, sondern ist auch Teil eines nationalen
Netzwerks, das Flughäfen in New York, Chicago, Detroit oder
Pennsylvania sowie Stützpunkte der Luftwaffe versorgt.
(fr[9]/Telepolis)
URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90649
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.usdoj.gov/usao/nye/pr/2007/2007jun02.html
[2] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25425/1.html
[3] http://www.senate.gov/~govt-aff/index.cfm?Fuseaction=Hearings.Detail&HearingID=441
[4] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24483/1.html
[5] http://www.heise.de/newsticker/meldung/84765
[6] http://news.com.com/8301-10784_3-9725253-7.html?part=rss&subj=news&tag=2547-1_3-0-20
[7] http://www.news.com.au/heraldsun/story/0,21985,21323571-661,00.html
[8] http://apnews.myway.com/article/20070604/D8PIA3DG1.html
[9] mailto:fr at tp.heise.de
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