[heise] heise online: Freiheitsredner machen Mut zu Diskussionen

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Mon Jun 4 10:18:52 UTC 2007

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30.05.2007 12:17

Freiheitsredner machen Mut zu Diskussionen

Drei Wochen nach dem Start des Dienstes, der bundesweit
Freiheitsredner[1] vermittelt, stehen 65 Freiwillige bereit, in Schulen
und Universitäten über Datenschutz und Privatsphäre zu sprechen.
Bislang wurden 15 Rednerauftritte gebucht. Die erste Freiheitsrede
dieser Art fand gestern Abend an der Universität Paderborn statt. Ein
Dutzend Unentwegte kamen und hörten sich den Vortrag des beim FoeBuD[2]
angestellten Politikwissenschaftlers Florian Glatzner an.

In seinem akademisch gehaltenen Vortrag informierte Glatzner
ausführlich über die Vorratsdatenspeicherung und die neuesten
Überwachungstrends. Dabei setzte er sich mit zwei Grundhaltungen
auseinander, die in der Debatte um die Privatsphäre gerne angeführt
werden. Das "ich habe nichts zu verbergen" des ehrlichen Bürgers ist
Glatzner zufolge eine trügerische Einstellung. Sie gehe davon aus, dass
persönliche Daten belanglos seien, was im Zeitalter des Data Mining und
der Rasterfahnung nicht mehr stimme. Auch die zweite Haltung, das "wir
werden doch schon jetzt überall erfasst", wie sie etwa die
Generalbundesanwältin Monika Harms in einem Spiegel-Gespräch[3]
vertritt, ist nach Glatzner kontraproduktiv. Schließlich könnten sich
die "Kontexte ändern" und Regierungen Gesetze beschließen, nach denen
die scheinbar disparaten Datensätzen zusammengefügt werden.

Abschließend erklärte der Freiheitsredner[4], was jeder Einzelne gegen
den Angriff auf die Privatsphäre unternehmen kann – von der
Mobilisierung der politischen Mandatsträger bis zur Diskussion im
Freundeskreis. Schon ein schlichtes "Ich möchte mich nicht überwachen
lassen" auf die Kassiererinnenfrage nach der Payback-Karte könne ein
Denkanstoß sein.

In universitärer Umgebung in einem schlichten Hörsaal vorgetragen, kam
die mit ein paar Folien unterstützte Freiheitsrede bei den wenigen
Zuhörern an. Das zeigte die rege Diskussion nach dem Vortrag. Wenn die
Freiheitsredner an Schulen und Volkshochschulen Wissen vermitteln
wollen, wie dies etwa die Musikindustrie[5] mit ihren von der
Internet-Piraterie finanzierten Vorträgen versucht, so sollte der
Vortrag anschaulicher ausfallen und mindestens bebildert werden.
(Detlef Borchers) /
 (vbr[6]/c't)

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  [3] http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,485007,00.html
  [4] http://www.freiheitsredner.de/
  [5] http://portal.school-tour.de/index.php?option=com_content&task=view&i d=184&Itemid=86
  [6] mailto:vbr at ct.heise.de

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