[heise] heise online: China setzt auf Kohleverflüssigung im großen Stil
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Mon Jun 4 10:13:36 UTC 2007
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31.05.2007 13:27
China setzt auf Kohleverflüssigung im großen Stil
Chinas größtes Kohleunternehmen, Shenhua Group, will das erste
chinesische Treibstoff-aus-Kohle-Werk möglichst noch in diesem Jahr in
Betrieb nehmen. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen
Ausgabe (seit heute am Kiosk oder hier[1] online zu bestellen). Die
Anlage wird das ambitionierteste Kohleverflüssigungsprojekt seit dem
Zweiten Weltkrieg: Bis zum Jahresende soll Shenhua bereits 20.000
Barrel synthetisches Öl pro Tag produzieren. Vom Jahr 2020 an will
Shenhua dann in acht Werken mehr als 30 Millionen Tonnen synthetischen
Treibstoff produzieren. Das entspricht zehn Prozent der für jenes Jahr
prognostizierten chinesischen Öl-Importe. Experten zweifeln daran, dass
die Riesenanlage wie geplant produzieren wird. Die chinesische
Regierung scheint indes fest entschlossen, die Pläne weiter zu
unterstützen.
Die Shenhua Group setzt auf das so genannte Bergius-Verfahren: Kohle
wird pulverisiert und mit synthetischem Öl gemischt, dann mit
Wasserstoff angereichert und auf 450 Grad Celsius aufgeheizt.
Eisenhaltige Katalysatoren sorgen dafür, dass die langen
Kohlenwasserstoffketten in kürzere Ketten zerbrechen. Experten des
Kohleforschungsinstituts in Peking schätzen, dass der Prozess 55 bis 56
Prozent der in der Kohle steckenden Energie nutzt, allerdings ist der
Prozess der direkten Verflüssigung komplex und daher nur schwer zu
beherrschen: Man benötigt dafür mehrere unabhängige Wärme- und
Wasserstoffquellen, muss größere Mengen an Öl, Kohle und Schlacke durch
die Anlage bewegen und die Parameter bei der Synthese präzise
kontrollieren.
Kohle, der noch am meisten vorhandene fossile Brennstoff, ist zugleich
die schlimmste Quelle von CO2-Emissionen: Die Verbrennung von Kohle
verursacht – bezogen auf den Primärenergieverbrauch – 41 Prozent der
weltweiten CO2-Emissionen. Eine neue Studie[2] des MIT (The Future of
Coal: Options for a Carbon-Constrained World) empfiehlt, dass alle
modernen Verfahren der sauberen Kohlenutzung mit der CO2-Abtrennung und
-Sequestrierung kombiniert werden sollten. "Es sieht so aus, als ob es
dafür keine unlösbaren technischen Hürden" gäbe, erklären die Experten.
"Alle Hindernisse scheinen überwindbar zu sein." In der Studie werden
zudem erste Vorschläge für die Regionen gemacht, in denen China und die
USA das anfallende Kohlendioxid speichern könnten.
Mehr dazu in TR 06/07 (seit dem 31. Mai am Kiosk und hier online
bestellbar[3]):
Voll auf Kohle
(wst[4]/Technology Review)
URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90431
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/abo/tr/hefte.shtml
[2] http://web.mit.edu/coal/
[3] https://www.heise.de/abo/tr/hefte.shtml
[4] mailto:wst at tr.heise.de
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