[heise] heise online: DDoS-Attacke auf Estland: Keine Verbindung nach Moskau

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Mon Jun 4 10:08:22 UTC 2007

Diese Meldung aus dem heise online-Newsticker wurde Ihnen von
"eugen at leitl.org" gesandt. Wir weisen darauf hin, dass die
Absenderangabe nicht verifiziert ist. Sollten Sie Zweifel an der
Authentizität des Absenders haben, ignorieren Sie diese E-Mail bitte.
------------------------------------------------------------------------

01.06.2007 15:27

DDoS-Attacke auf Estland: Keine Verbindung nach Moskau

Nach der jüngsten verteilten Denial-of-Service-Attacke[1] (DDoS) auf
Server der estnischen Regierung gibt es neue Hinweise über die
Ausgangspunkte des Angriffs. Danach handelt es sich möglicherweise
nicht um die konzertierte Aktion eines einzelnen Urhebers, sondern um
die spontane Zusammenarbeit eines losen Bündnisses verschiedener
Angreifer. Offenbar wollten die Angreifer damit ihr Missfallen über die
Verlegung des russischen Kriegerdenkmals aus dem Zentrum der Hauptstadt
Talinn auf einen Friedhof am Stadtrand ausdrücken. Die soziale Relevanz
der Verlegung ist nicht zu unterschätzen – für die in Estland geborenen
Russen steht die bronzene Statue für das Kriegsopfer Russlands im
Zweiten Weltkrieg, während die Esten darin ein Symbol der russischen
Besatzung sehen.

Von den Netzwerkexperten Arbor Networks gesammelte Daten zeigen, dass
die Ausgangspunkte der Angriffe weltweit verstreut und nicht an einigen
wenigen Orten konzentriert waren. Die Attacken wurden mit
unterschiedlichen Bandbreiten von weniger als 10 bis 95 MBit/s
gefahren, der Hauptteil lag dabei zwischen 10 und 30 MBit/S. Drei
Viertel der Angriffe dauerten nicht länger als eine Stunde, nur 5,5
Prozent liefen länger als 10 Stunden. Allerdings hatte ein Botnetz mit
einer Kapazität von bis zu 100 MBit/s den weltweit größten Effekt.
Angesichts des IT-Standards in Estland hatten diese Attacken eine
vernichtende Wirkung auf die angegriffenen Systeme.

Sicherheitsexperte Jose Nazario von Arbor Networks erklärte gegenüber
heise security UK[2], auch wenn verschiedene Regierungsstellen durch
die Attacken offline gehen mussten, habe es offensichtlich keinen
Versuch gegeben, außer Webservern noch weitere kritische
Regierungsinfrastruktur ins Visier zu nehmen. Zudem habe es keine
Erpressungsversuche gegeben. "Wir haben auch schon Tools außerhalb von
Botnetzen gesehen, die die Computer der Leute in Paketschleudern
verwandeln – ein Mensch-Net, sozusagen", kommentierte Nazario.

Er weist auf ein Skript hin, das die IP-Adressen und DNS-Server von
rund 18 estnischen Websites mit Pings überflutet. "Das wurde von
verschiedenen Leuten in russischsprachigen Foren herumgereicht, einen
'rauchenden Colt' als Beweis für Verbindungen zur russischen
Regierung[3] gibt es nicht", erklärte Nazario. "Also sehen wir hier den
russischen Nationalismus am Werk, aber keine Verbindung zur russischen
Regierung. Keine der von uns analysierten weltweiten Quellen weisen auf
eine klare Verbindung zwischen Moskau und Talinn[4] hin, stattdessen
geht es von überall auf der Welt nach Estland". (mba[5], heise security
UK) /
 (vbr[6]/c't)

URL dieses Artikels: 
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90501

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.heise.de/security/news/meldung/89013
  [2] http://www.heise-security.co.uk/news/90461
  [3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/89857
  [4] http://www.heise.de/newsticker/meldung/90340
  [5] mailto:mba at heise-security.co.uk
  [6] mailto:vbr at ct.heise.de

------------------------------------------------------------------------
Copyright 2007 Heise Zeitschriften Verlag

More information about the heise mailing list