[heise] heise online: Experten gegen private Nabelschnurblut-Banken

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Mon Jun 4 09:57:55 UTC 2007

Diese Meldung aus dem heise online-Newsticker wurde Ihnen von
"eugen at leitl.org" gesandt. Wir weisen darauf hin, dass die
Absenderangabe nicht verifiziert ist. Sollten Sie Zweifel an der
Authentizität des Absenders haben, ignorieren Sie diese E-Mail bitte.
------------------------------------------------------------------------

04.06.2007 10:12

Experten gegen private Nabelschnurblut-Banken

Eltern zahlen privaten Anbietern viel Geld für das Einlagern von
Nabelschnurblut, um Vorsorge für den Fall schwerer Krankheiten zu
treffen. Der Nutzen dieser Maßnahme ist nach heutigem Forschungsstand
jedoch umstritten, schreibt das Technologiemagazin Technology Review in
seiner aktuellen Ausgabe 6/2007.

Bis zu 2400 Euro inklusive 20 Jahre Lagerung kostet das Einfrieren des
Nabelschnurbluts bei den mittlerweile sechs Unternehmen, die solche
Dienste in Deutschland anbieten. Aus dem sogenannten Plazentarestblut
lassen sich Stammzellen gewinnen, die sich in viele Zell- und
Gewebearten wie Nerven-, Blut- oder Muskelzellen entwickeln können. Die
kommerziellen Blutbanken werben mit drei großen Einsatzgebieten für die
Stammzellen aus dem Plazentarestblut: Therapien bei Krebserkrankungen
und Blutbildungsstörungen, Züchtung von Ersatzgewebe wie Herzklappen
sowie Therapien bei Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose.

"Die bisherigen Erfolge sind wissenschaftlich unklar. Im
Nabelschnurblut sind zudem viel weniger Stammzellen als im Knochenmark
oder im Blut", kritisiert allerdings Professor Christoph Baum,
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gentherapie. Auch die Experten
der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Knochenmarks- und
Blutstammzelltransplantation sind höchst skeptisch: Es gebe keine
Erkrankung, bei der ausschließlich eigene Nabelschnurblut-Stammzellen
helfen würden, teilt die Organisation mit. Beim Auftreten von Leukämie
besteht bei einer Behandlung mit eigenen Stammzellen zudem die Gefahr,
dass im Nabelschnurblut bereits Krebsinformationen enthalten sein
können.

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei empfiehlt deshalb, das
Nabelschnurblut von Neugeborenen den sechs öffenlichen Blutbanken zu
spenden. Eltern verzichten damit zwar auf einen exklusiven Zugriff auf
das Nabelschnurblut ihres Kindes. Aber die Chance, im Ernstfall für den
Nachwuchs geeignete Stammzellen zu finden, ist relativ groß, weil keine
hundertprozentige Übereinstimmung der Gewebemerkmale nötig ist.

Mehr dazu in TR 06/07 (seit dem 31. Mai am Kiosk und online
bestellbar[1]):

Geschäft mit der Angst[2]

(bsc[3]/Technology Review)

URL dieses Artikels: 
http://www.heise.de/newsticker/meldung/90500

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.heise.de/abo/tr/hefte.shtml
  [2] http://www.heise.de/tr/artikel/90498
  [3] mailto:bsc at tr.heise.de

------------------------------------------------------------------------
Copyright 2007 Heise Zeitschriften Verlag

More information about the heise mailing list