[heise] heise online: Kinderpornographie im Internet wird brutaler

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Tue Apr 17 13:25:45 UTC 2007

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17.04.2007 11:51

Kinderpornographie im Internet wird brutaler

Laut dem jährlichen Bericht[1] der Internet Watch Foundation (IWF),
einer 1996 von Regierung und Unternehmen gegründeten unabhängigen
Stiftung zur Bekämpfung vor allem von Kinderpornographie im Internet,
hat der Kindesmissbrauch stark zugenommen. Die Zahl der Meldungen bei
der Hotline ist letztes Jahr um ein Drittel auf 32.000 angestiegen.
Besonders erschreckend sei, dass sich der Anteil der bei der IWF
gemeldeten Webseiten mit Bildern, die Vergewaltigung von Kindern oder
sadistische sexuelle Praktiken zeigen, von 7 Prozent im Jahr 2003 auf
29 Prozent 2006 vervierfacht habe.

Der Stiftung können über eine "Hotline" Webseiten gemeldet werden, die
illegale Inhalte enthalten. Sie bietet täglich aktualisierte Listen mit
URLs von Seiten mit kinderpornographischen Inhalten an und fordert
Internetprovider dazu auf, diese Seiten zu blockieren. 

Der aktuelle Trend belegt nach Ansicht der IWF eine "offensichtlich
wachsende Nachfrage" nach Bildern mit schwerem Kindermissbrauch. 60
Prozent aller kommerziellen Websites, die Kinderpornographie anbieten,
würden auch Bilder verkaufen, auf denen Kinder vergewaltigt werden. 80
Prozent der misshandelten Kinder seien Mädchen, 91 Prozent sehen auf
den Bildern so aus, als würden sie unter 12 Jahre alt sein.

Mit einem Anteil von über 82 Prozent liegt die überwiegende Zahl der
Websites, die Kinderpornographie anbieten, auf Servern in den USA (54
Prozent) und in Russland (28,2 Prozent). In beiden Ländern wurde der
"Markt" ausgebaut, denn 2005 betrug der Anteil der US-amerikanischen
und russischen Seiten von 67,9 Prozent. In Großbritannien habe man
allerdings, so die britische Stiftung, praktisch alle
kinderpornographischen Bilder "innerhalb der virtuellen Grenzen" auf
den Servern im Land entfernen können.

Viele der möglicherweise illegalen Fotos stammen von Foto-Portalen, bei
denen die Nutzer Fotos posten können. 10 Prozent der URLs, die IWF 2006
der Polizei gemeldet hat, kommen von solchen Portalen. Beobachtet wurde
auch ein neuer Trend bei kommerziellen Anbietern, die ihre Bilder auf
anderen Websites als ihren Hauptsites speichern, für die oft schnell
Provider und Land gewechselt wird. Da die Bilder, falls sie entdeckt
werden, ohne Probleme gelöscht werden können, scheinen nun manche
Anbieter dazu übergangen zu sein, einzelne Bilder in Tausenden von
Fragmenten abzuspeichern. Wenn ein Kunde bezahlt hat, wird das Bild
durch ein Programm zusammengesetzt und kann dann heruntergeladen
werden.

Solche "Puzzle"-Bilder könnten eine Möglichkeit darstellen, so vermutet
man bei der IWF, die Strafverfolgung zu auszutricksen, da die einzelnen
Puzzleteile keine illegalen Inhalte enthalten. In zwei Fällen wurden
angeblich die Kunden von Kinderpornographie von den Anbietern betrogen.
Diese hatten Name, Adresse und Kreditkarteninformationen der Kunden
entwendet, ihre Websites stillgelegt und neue
Kinderpornographie-Websites unter dem Namen und mit Verwendung der
Kreditkarte registriert.

Einige der größten Anbieter seien schon seit Jahren im Geschäft und
hätten sich durch regelmäßigen Wechsel von Provider und
landesspezifischer Rechtsprechung einer Strafverfolgung entziehen
können. Obgleich die IWF Informationen an die Polizei und international
an Interpol und andere Hotlines weitergebe, um eine Strafverfolgung zu
ermöglichen, sei es in einigen Ländern schwer, die beanstandeten
Inhalte zu entfernen. Ursache dafür seien unterschiedliche
Rechtsprechungen und Gesetze, verschiedene Prioritäten der
Strafverfolgung oder mangelnde Kooperation der Internetprovider.
 (fr[2]/Telepolis)

URL dieses Artikels:
  http://www.heise.de/newsticker/meldung/88349

Links in diesem Artikel:
  [1] http://www.iwf.org.uk/media/news.196.htm
  [2] mailto:fr at tp.heise.de

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