[heise] heise online: re:publica: Im Netz leben -- unfair und unsicher?
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Tue Apr 17 09:25:13 UTC 2007
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14.04.2007 12:21
re:publica: Im Netz leben -- unfair und unsicher?
Mit den Schattenseiten der Produktion von Notebooks, zentrales Werkzeug
vieler Blogger, beschäftigte
sich ein Workshop auf der Konferenz re:publica[1], die gestern abend zu
Ende ging. Andreas Manhart vom Freiburger Öko-Institut referierte
zunächst die
Inhalte einer Studie (PDF-Datei[2]), die sein Institut im letzten
Jahr veröffentlicht hatte. Negativ formuliert unterstütze ausnahmslos
jeder, der sich ein Notebook kauft, die widrigen Arbeitsbedingungen,
unter denen Fertiger wie Quanta Computer in China produzieren lassen.
Positiv stimme angesichts des weiter wachsenden Notebook-Marktes (100
Millionen Einheiten pro Jahr) die Tatsache, dass auf die Industrie
Druck
gemacht werden könne, faire Notebooks[3]
zu produzieren. Der EU-Abgeordnete Fritjof Schmidt[4] betonte die Rolle
von
Produktionsstandards beim Umwelt- und Arbeitnehmerschutz. Schmidt
zufolge müsste die gesamte Industrie zur Einhaltung solcher Standards
ähnlich verpflichtet werden, wie bei der RoHS-Richtlinie[5].
Als EU-Berichterstatter für den fairen Handel mit Waren aus
Entwicklungsländern entkräftete Schmidt vorsorglich den möglichen
Vorwurf des Protektionismus einer EU, die mit teuren Notebooks den
Markt
abschotte. Anders als im politisch beliebten Serverbau[6] werde kein
einziges Notebook mehr in der
EU gefertigt. Allerdings seien Notebooks von der Produktion bis zur
Entsorgung in chinesischen "Garbage Cities" komplexe Systeme im
Vergleich zu landwirtschaftlichen Produkten. Bei diesen sei das
Fair-Trade-Konzept relativ weit gediehen und akzeptiert. Sowohl der
Wissenschaftler wie der Politiker hatten indes keine Empfehlungen zum
Kauf eines Notebooks parat, "an dem kein Blut klebt", wie dies ein
Teilnehmer des Workshops formulierte.
Einen mindestens ebenso interessanten "Blick von unten" auf das
Phänomen
des Bloggens und des Lebens im Web 2.0 präsentierte Andreas Gehret im
API-Workshop der re:publica. Gehret, beim Kontaktnetzwerk Xing[7] für
die Software-Entwicklung zuständig,
berichtete von den Schwierigkeiten, ein API für die Ansprüche des Web
2.0 zu entwickeln, ohne dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Im
Zuge des allgemeinen Trends zum Mashup berge jedes API für den Zugriff
auf bestimmte Xing-Daten die Gefahr, die Privatsphäre der
Xing-Teilnehmer zu verletzen, wenn es schlecht programmiert sei. Gehret
berichtete von der Veröffentlichung eines APIs, mit dem Xing-Teilnehmer
auf Angeboten wie Google Maps lokalisiert werden können. Zwei
Stunden nach Veröffentlichung des API-Angebotes trudelte die erste
Klage
eines Teilnehmers ein, der zwar gegen die Verwendung seiner Daten
optiert hatte, sich aber dennoch auf einer Karte sehen konnte. Die
scheinbar unverdächtige Möglichkeit, die Postleitzahlen der Teilnehmer
auszuwerten, führten zur "Enttarnung", weil es Firmen und Institutionen
mit eigenen Postleitzahlen gibt. Nun programmiere man bei Xing unter
dauernder Beratung durch Juristen, so Gehret, weil man nicht auf APIs
verzichten könne. Sie seien nicht nur für die Software-Modularisierung
wichtig: "Soziale Netze können nur dann überleben, wenn sie sich
öffnen". Inzwischen habe Xing nicht nur das API neu programmiert und
sich durch die Anpassung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen
juristisch
abgesichert. Doch ob die Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Punkte
reicht, sei ungewiss. "Auch die Juristen können uns nicht sagen, welche
Verantwortung Xing hat, die Nutzer darüber aufzuklären, was mit ihren
Daten möglich ist. Im Augenblick sind wir ein bisschen ratlos." Als
größte Gefahr nannte Gehret die Möglichkeit, dass jemand mittels einer
API eine "Hammer-Applikation" schreibt, die im Netz zum Hype wird und
massiven Druck auf die Server und Datenbestände ausübt. Mit dieser
Gefahr müssten alle Anbieter von Social Software leben – oder von der
Bildfläche verschwinden.
Zur re:publica 07[8] siehe auch:
"Print ist tot"[9]
Vom Kalklagern zum Sprengen[10]
Blogger zwischen Kommerz und Underground[11]
Große Skepsis gegenüber gesonderter Blogger-Ethik[12]
Kampf dem Blogger-Mythos[13]
Konferenz über das Leben im Netz [14]
(Detlef Borchers) /
(se[15]/c't)
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[1] http://programm.re-publica.de/programm/day_3.de.html
[2] http://www.oeko.de/oekodoc/291/2006-010-de.pdf
[3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/81415/
[4] http://www.frithjof-schmidt.de/nrw/veranstaltungen/republica/index.html
[5] http://www.heise.de/newsticker/meldung/74956/
[6] http://cpp-plus.fujitsu-siemens.de/cebit_blog/index.php?/archives/48-Die-Bundeskanzlerin-schaut-an-unserem-Stand-vorbei.html
[7] http://www.xing.com/profile/Andreas_Gehret/
[8] http://re-publica.de/
[9] http://www.heise.de/newsticker/meldung/88230
[10] http://www.heise.de/newsticker/meldung/88203
[11] http://www.heise.de/newsticker/meldung/88183
[12] http://www.heise.de/newsticker/meldung/88125
[13] http://www.heise.de/newsticker/meldung/88110
[14] http://www.heise.de/newsticker/meldung/87468
[15] mailto:se at ct.heise.de
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