[heise] heise online: Verschiedene neue Prozess-Scheduler für Linux zur Diskussion

eugen at leitl.org <eugen at leitl.org> on Tue Apr 17 09:17:07 UTC 2007

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17.04.2007 10:55

Verschiedene neue Prozess-Scheduler für Linux zur Diskussion

Einige Kernel-Entwickler arbeiten an einem Ersatz für den
O(1)-Prozess-Scheduler des Kernels, der während der Entwicklung von
Linux 2.5 eingeführt wurde und für die Zuteilung von CPU-Zeit an die
verschiedenen Prozessen verantwortlich ist. Noch vor einigen Wochen sah
es so aus, dass die Linux-Programmierer nach der Entwicklung der
Kernel-Version 2.6.21, die sich gerade in der Endphase befindet, auf
den maßgeblich von Con Kolivas vorangetriebenen RSDL-Scheduler[1]
(Rotating Staircase DeadLine) umschwenken wollten. Er ist eine von
Grund auf neue Entwicklung, die Ideen des Staircase CPU Scheduler[2]
aufgreift; beide sollen im Desktop-Betrieb ein besseres
Reaktionsverhalten zeigen als der Standard-Scheduler. Zudem soll RSDL
einfacher gehalten sein – im aktuellen Scheduler kamen mit der Zeit
zahlreiche Sonderbehandlungen für bestimmte Anwendungsszenarien hinzu,
die den Code aufblähten und schwer wartbar machten. 

In Tests wurden jedoch einige Arbeitsumgebungen gefunden, wo der RSDL
deutlich schlechter als der bisherige Scheduler arbeiten soll; das
schmälerte die Chancen von RSDL auf die Integration in 2.6.22.	Nun
stellte  der bei Red Hat angestellte Hacker und Entwickler des
O(1)-Prozess-Scheduler Ingo Molnar mit dem Modular Scheduler Core and
Completely Fair Scheduler (CFS) einen neuen Scheduler vor[3]. Er greift
etwa die strikte Fairness-Idee von RSDL auf, enthält aber auch Neues,
darunter hierarchisch angelegte Scheduler-Klassen, die unterschiedliche
Scheduler-Strategien bieten können.

Der Scheduler von Molnar und einige seiner Ideen wurde von einigen
Entwicklern begrüßt und von Testern gelobt – Molnar, der mittlerweile
die zweite CFS-Version[4] vorgestellt hat, musste sich aber in der
Diskussion auch verteidigen. Er hätte laut der Ansicht einiger
Entwickler mit	Con Kolivas zusammenarbeiten sollen[5], anstatt etwas
Eigenes  von Grund auf neu zu programmieren. Andere Entwickler
verteidigten jedoch den Ansatz des Red-Hat-Entwicklers, der CFS laut
eigener Aussage in nur zwei Tagen programmierte. 

CFS und RSDL sind derzeit wohl die prominentesten und am meisten
diskutierten Scheduler – es gibt aber noch andere, die in den
vergangenen Monaten von verschiedenen Programmierern entwickelt wurden.
Den derzeitigen Scheduler dürfte aber nur einer beerben, da sich
Torvalds und einige andere Entwickler gegen die Aufnahme mehrere
Prozess-Scheduler ausgesprochen haben. Welcher letztendlich das Rennen
macht,	dürfte sich in den nächsten Wochen während der Entwicklung der
Kernel-Revisionen 2.6.22 und 2.6.23 zeigen.
 (thl[6]/c't)

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  [1] http://thread.gmane.org/gmane.linux.kernel.ck/6462
  [2] http://thread.gmane.org/gmane.linux.kernel/516462
  [3] http://thread.gmane.org/gmane.linux.kernel/515644
  [4] http://thread.gmane.org/gmane.linux.kernel/516441
  [5] http://thread.gmane.org/gmane.linux.kernel/515644/focus=516021
  [6] mailto:thl at ct.heise.de

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