[heise] heise online: Schweiz testet virtuellen Behördengang mittels digitaler Signatur
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Thu Apr 12 14:11:48 UTC 2007
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09.04.2007 13:08
Schweiz testet virtuellen Behördengang mittels digitaler Signatur
Ab kommenden Donnerstag geht in der Schweiz die erste für eine breite
Öffentlichkeit gedachte Anwendung der gerade für die Bürger
eingeführten digitalen Signatur[1] in die Testphase. Wer innerhalb
Zürichs oder St. Gallen umzieht oder den Wohnort zwischen den Kantonen
St. Gallen und Zürich wechselt, kann bald die wichtigsten nötigen
Behördengänge über das Internet erledigen. Grundlage ist die digitale
Signatur des neuen gesetzlich zugelassenen digitalen Postzertifikats,
das am 4. April Premiere hatte und auf einer Public Key Infrastruktur
(PKI) basiert. Die Zertifikate werden im Auftrag der Schweizerischen
Post von ihrer Tochtergesellschaft, der von ZertEs anerkannten
Certification Authority (CA) SwissSign AG ausgestellt, signiert und
verwaltet.
In der Startphase sind die Postzertifikate jedoch erst bei 42
autorisierten Postämtern[2] in der Schweiz erhältlich. Seit gut einem
Jahr bietet auch Swisscom Solutions AG, Tochter des Schweizer
Telekommunikationskonzerns Zertifizierungsdienste für Unternehmen und
Behörden an, außerdem ist QuoVadis Trustlink Schweiz AG, die hiesige
Tochter des international operierenden PKI-Unternehmens, als
Zertifikateaussteller aktiv. Über die Schweizerische Post sind jetzt
auch Zertifikate für Privatpersonen verfügbar. Anwendungsgebiete der
digitalen Signatur mit dem Postzertifikat sind etwa Dokumente, die
bisher aus rechtlichen Gründen per Einschreiben verschickt werden
mussten. Die digitale Signatur von "IncaMail[3]", so der Name der
PKI-Plattform, stellt sicher, dass Dokumente beim Datenaustausch
zuverlässig aus- und zugewiesen werden können.
Wer die Nutzung des Services beabsichtigt, muss sich zunächst auf einer
Website der Post[4] anmelden und sodann persönlich zu einer der
autorisierten Poststellen gehen, das heruntergeladene, ausgefüllte
Identifikations-Formular abgeben und sich ausweisen. Dann erhält man
für 90 Franken (55 Euro) ein Starter-Kit, das eine Installations-CD,
eine Chipkarte mit dem elektronischen Schlüssel, ein USB-Lesegerät, ein
Passwortblatt und eine CD mit der Applikation für den elektronischen
Versand enthält. Für die weitere Nutzung werden jährliche Gebühren
zwischen 30 Franken (18 Euro) und 90 Franken erhoben. Die digitale
Signatur ist drei Jahre gültig. Eine Sendung mit IncaMail kostet mit
Empfangsbestätigung 1,50 Franken (90 Cent), ohne Bestätigung 70 Rappen
(42 Cent).
Angeboten wird außerdem "IncaForms", ein Formularservice für
Verwaltungen und Behörden. Diese können auf dem entsprechenden Server
der Post Formulare für ihre Kunden zum Download anbieten. Registrierte
Nutzer können angebotene Formulare herunterladen, ausfüllen und via
IncaMail versenden. Pro Sendung kostet dies den Anbieter 50 Rappen (30
Cent). Ab Sommer 2007 will die Schweizerische Post "IncaMail Public"
anbieten, ein elektronischer Brief mit Versandnachweis. Der Absender
erhält die Bestätigung, dass er das Dokument versandt hat. Im Gegensatz
zu IncaMail erhält der Absender keine Empfangsbestätigung. Daher reicht
es auch, wenn nur der Absender registriert ist. Richtpreis pro Sendung:
70 Rappen. Die Post sei sich bewusst, teilt sie in einer
Medieninformation mit, dass es noch Zeit brauche, bis sich das Angebot
in den Prozessen von Wirtschaft und Verwaltung etablieren kann. Daher
richtet sie sich mit ihren Produkten in einem ersten Schritt vor allem
"an Geschäftskunden und Verwaltungen. Privatanwender werden in einem
späteren Schritt die neuen Möglichkeiten voll ausschöpfen können."
Privatanwender werden immerhin schon bald von ersten Umsetzungen
profitieren können. Denn in den Kantonen Zürich und St. Gallen wird ab
nächster Woche im Rahmen der E-Government-Strategie des Bundes das
Projekt "GUIDE/Meldewesen" bzw. der elektronische Umzugsservice der
Siemens Schweiz AG in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Städten
Zürich und St. Gallen getestet. Vorerst allerdings nur von
volljährigen, unverheirateten Personen, die nicht mit Kindern
zusammenleben. Bei Nutzung des elektronischen Umzugsservices[5] werden
ihre Daten vollautomatisch in den städtischen Behördenregistern
aktualisiert. Das sind die Einwohnerkontrolle (Einwohnermeldeamt), das
Migrationsamt (Ausländerbehörde) und das Straßenverkehrsamt
(Kraftfahrzeugzulassungsstelle).
Wer das Angebot nutzt, dem werden während der Pilotphase in Zürich die
amtlichen Gebühren von rund 20 Franken (12,20 Euro) erlassen. Außerdem
erhält er eine Prämie von 50 Franken (30,50 Euro). Mit dem
Umzugsprojekt werde in der Schweiz erstmals ein behördenübergreifender
Prozess als E-Governmentlösung realisiert, der sowohl die horizontale
Verwaltungsebene (Kanton-Kanton) als auch die vertikale Ebene
(Kanton-Gemeinde) abdecke, teilte Carmen Koch, Leiterin Stabsstelle
E-Government in der Staatskanzlei des Kantons Zürich mit. Ziel des
Pilotprojekts ist es, Erfahrungen für elektronische Prozesse zwischen
Bürgerschaft und Behörden zu sammeln und mit Hilfe dieses Portals den
elektronischen Umzug für die Einwohnerinnen und Einwohner weiterer
Kantone und Gemeinden zu ermöglichen. (Tom Sperlich) /
(vbr[6]/c't)
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[2] https://www.postmail.ch/
[3] http://www.postmail.ch/incamail
[4] https://postzertifikat.ch/
[5] http://www.umzug.sg.ch
[6] mailto:vbr at ct.heise.de
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