[heise] heise online: YouTube will mit thailändischer Zensur kooperieren
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Thu Apr 12 14:02:00 UTC 2007
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09.04.2007 14:35
YouTube will mit thailändischer Zensur kooperieren
Das Videoportal YouTube war am vergangenen Wochenende aus
thailändischen Netzen weiter nicht erreichbar. Das
Informationsministerium der neuen Regierung hatte die Sperre des
Angebots[1] verfügt, nachdem ein Video eingestellt worden war, das
König Bhumibol Adulyadej verunglimpft haben soll. In einem Versuch, die
Totalblockade des Angebots zu umgehen, wollen YouTube-Manager den
thailändischen Behörden nun Nachhilfe geben, wie sich der Zugang zu
einzelnen Videos gezielt sperren lässt, berichtet die BBC. Die
Kommunikationschefin der Google-Tochter, Julie Supan, erklärte, es wäre
dem Unternehmen lieber, wenn Thailand einzelne Videos sperre als den
Zugang zum ganzen Portal.
Youtube war gesperrt worden, nachdem eine Montagesequenz aus Bildern
des Königs aufgetaucht war, in der unter anderem der Kopf des Monarchen
unter Frauenfüße gestellt wurde – eine große Beleidigung für Thais.
Obwohl der Clip inzwischen gelöscht wurde, hatte das verantwortliche
Ministerium den Bann aufrechterhalten, nachdem zwei ähnliche Videos
aufgetaucht waren. Der Minister für Information und
Kommunikationstechnologien, Sitthichai Pookaiyaudom, will die
Komplettsperre aufheben, sobald er einzelne Inhalte gezielt blockieren
könne. Kritik an dem Vorgehen der Regierung wies er zurück. "Ich
brauche keine Lektion über Meinungsfreiheit", sagte er der BBC, "ich
bin ein Verfechter der Meinungsfreiheit, aber das ist kulturell
unsensibel und beleidigend". Solche Inhalte werde er nicht tolerieren.
Die von dem thailändischen Militär gestützte und nach dem Putsch im
September vergangenen Jahres eingesetzte Übergangs-Regierung hat
allerdings noch an anderer Stelle Probleme mit dem Meinungsaustausch.
Berichten der thailändischen Tagespresse zufolge musste ein
Internet-Provider ein Forum auf Anweisung des Informationsministeriums
für unbestimmte Zeit schließen. Beiträge in dem Forum gefährdeten die
nationale Sicherheit, erklärte der Minister Sitthichai und kündigte an,
zum besseren Schutz des Staates und der Monarchie die Überwachung der
Internetaktivitäten auszudehnen. Gleichzeitig warnte er
Internetanbieter, dass er sie für den Inhalt der Foren zur
Verantwortung ziehen werde und ganze Websites sperren werde, sollten
sie nicht kooperieren. Den Berichten zufolge hatten Anhänger der
gestürzten Regierung das nun gesperrte Forum zur politischen Debatte
genutzt.
Wegen ähnlicher Videos war YouTube zuletzt auch in der Türkei für
einige Zeit[2] offline. Der größte türkische Zugangsanbieter hatte den
Zugang zu dem Portal auf Anordnung eines Gerichts gesperrt[3]. Anlass
waren Videos, die den Gründervater der modernen Türkei[4], Mustafa
Kemal Atatürk, verunglimpft haben sollen. Auch für YouTube-Mutter
Google ist die thailändische Episode – trotz aller Bemühungen[5] –
nicht die erste Erfahrung mit Zensur[6]. Das Unternehmen stand wegen
seiner Geschäftspraktiken in China zusammen mit anderen großen
Internetanbietern in den vergangenen Jahren unter verschärfter Kritik
von Menschenrechtsorganisationen wegen der Kooperation[7] bei
Zensurmaßnahmen.
(vbr[8]/c't)
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