[heise] heise online: "Ein Misserfolg war das nicht"
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Thu Apr 12 13:42:24 UTC 2007
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10.04.2007 08:33
"Ein Misserfolg war das nicht"
Elon Musk, 35, machte mit den Internetfirmen Zip2 und Paypal sein Geld.
Seit 2002 entwickelt er mit SpaceX[1] eine völlig neue Rakete namens
Falcon, mit der er kommerzielle Satelliten in den Weltraum befördern
will, und die im März zum zweiten Mal getestet wurde. Außerdem arbeitet
Musk mit der NASA zusammen an Komponenten für den Nachfolger des Space
Shuttle.
Technology Review: Herr Musk, der zweite Testflug Ihrer neuentwickelten
Rakete Falcon 1 im vergangenen Monat war erneut nicht ganz
erfolgreich[2]. Können Sie zusammenfassen, was schiefgelaufen ist?
Elon Musk: Ich würde das Ganze keinen Misserfolg, sondern eher einen
durchaus erfolgreichen Test nennen. Es handelte sich um eine
Versuchsmission, und wir hatten keinen Satelliten an Bord.
Das Ziel dabei war, alle Systeme durchzuchecken und genügend Daten zu
sammeln, um sicherzustellen, dass unser erster Satellitenstart, der
noch in diesem Jahr geplant ist, auch wirklich ein Erfolg wird.
Das ist uns gelungen – wir konnten 90 Prozent der Systeme positiv
testen und haben nun genügend Daten, die Probleme mit den restlichen 10
Prozent zu lösen.
TR: Wie kam es dazu, dass die Falcon 1 den Orbit nicht erreichte?
Musk: Die zweite Stufe stieß mit der ersten zusammen, als sich beide
Stufen voneinander trennen sollten. Das halten wir allerdings für kein
großes Problem, das sich nicht lösen lassen könnte.
TR: Sie haben einmal gesagt, dass Sie Ihre Firma zusperren würden, wenn
Sie drei hintereinanderliegende Fehlschläge erleben müssten. Dies war,
wenn man den nur kurzen Jungfernflug der Falcon 1 hinzurechnet,
Fehlschlag Nummer 2. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage?
Musk: Das Weltraumgeschäft ist das wohl komplexeste Business, das man
sich vorstellen kann. Nur einige wenige Länder können das, was wir hier
vorhaben. Und wie ich schon sagte: Ich sehe den jüngsten Start
größtenteils als Erfolg, dementsprechend greift hier meine
"3-Fehlschlags-Regel" auch nicht.
TR: Sie sprachen von 10 Prozent der Systeme, die noch nicht so laufen,
wie sie sollen. Was ist dort noch zu tun?
Musk: Es gab da eine Schwankung am Ende des Abbrennvorgangs der zweiten
Stufe. Der Flug sollte eigentlich 9 Minuten dauern, erreichte aber nur
8 Minuten. Wir haben aber einen stabilen Zustand der zweiten Stufe
erzielen können – und zwar in nahezu allen Bereichen. Die Schwankung
könnte von einer Schleife im Kontrollsystem ausgehen. Das können wir
nun aber genau analysieren, weil wir genügend Flugdaten gewonnen haben.
Ist die Schwankung aus dem System verbannt, haben wirs endgültig
geschafft.
TR: Sehen Sie noch Probleme bei der eigentlichen Ausführung der
Mission, also dem Aussetzen der Satelliten?
Musk: Das ist nicht kompliziert. Dem Vehikel wird einfach ein
"Release"-Kommando übermittelt und das wars.
TR: Sie haben selbst rund 100 Millionen Dollar aus Ihrem Privatvermögen
in SpaceX investiert. Wie lange halten Sie noch durch, bevor ordentlich
Geld in die Kasse kommt?
Musk: Lange genug. Ich kann mich nur nochmals wiederholen: Für mich war
die letzte Mission ein Erfolg. Sollte bei unserem ersten
Satellitenstart etwas danebengehen, also der Satellit nicht in die
Umlaufbahn gelangen, wäre das natürlich sehr unschön.
TR: Welche Satelliten soll SpaceX bei seinen ersten Missionen ins All
befördern?
Musk: Der erste Satellitenstart ist für den Spätsommer geplant. Das ist
ein Satellit des US-Verteidigungsministeriums für die amerikanische
Marine. Auch die ersten beide Teststarts von Falcon 1 wurden von der
US-Regierung mitfinanziert. Sie ist sozusagen unser Beta-Kunde. Diesem
müssen wir außerdem beweisen, dass wir mit unseren Raketen sehr schnell
ins All gelangen können.
Der Plan ist, sie innerhalb einer Stunde betanken und dann ins All
schießen zu können. Die Idee dabei ist, dass das US-Militär bei
Satellitenfehlern oder dem Abschuss eines Satelliten diesen sehr
schnell ersetzen kann. Das kann bislang keine andere Weltraumfirma
leisten.
TR: Bislang haben Sie nur die kleinere Falcon 1 getestet. Wird die
wesentlich traglaststärkere und damit kommerziell attraktivere Falcon 9
parallel entwickelt?
Musk: Ja. Allerdings bauen beide Systeme auf den gleichen Komponenten
auf. Die Falcon 9 nutzt eben neun der Raketenmotoren der ersten Stufe
der Falcon 1 und einen Falcon-1-Raketenmotor der ersten Stufe in ihrer
zweiten Stufe. Ein erster Teststart einer Falcon 9 wird aber noch eine
gewisse Zeit brauchen.
TR: Sie selbst haben die NASA und andere Weltraumagenturen gerne wegen
Ihrer Bürokratie belächelt – und versuchen nun, ähnliche Aufgaben
wesentlich effizienter zu lösen. So benötigen Sie für Ihre Starts
erstaunlich kleine Teams. Inzwischen haben Sie ja genügend Erfahrung
gesammelt. Wird sich Ihre Vision der kostengünstigen Weltraumfahrt also
tatsächlich verwirklichen lassen?
Musk: Durchaus. Wobei ich die NASA hier in Schutz nehmen muss – auch
dort kauft man seine Starts und Raketen ja bei Boeing oder Lockheed
ein. Die NASA ist außerdem ein wichtiger Kunde von uns und sehr an
unserer Arbeit interessiert.
Uns ist es gelungen, die Kostentreiber in nahezu allen Bereichen
kleiner zu bekommen – vom Raketenmotor über die notwendigen Gebäude,
die Luftfahrtelektronik, die Launch-Teams, die Organisation und vieles
mehr. Wir fahren einen sehr geringen Overhead und gehen überall so
innovativ wie möglich vor.
Der wichtigste Punkt auf lange Sicht ist aber, dass die Falcon 9 die
erste wiederverwendbare Rakete zum Erreichen der Erdumlaufbahn sein
wird. Wenn wir das schaffen, ist uns einer der größten Durchbrüche in
der Geschichte der Raketentechnik gelungen.
(bsc[3]/Technology Review)
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[1] http://spacex.com/
[2] http://spacex.com/updates.php#demoflight_2_prelim_review_1
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