[heise] heise online: Fernsehen über Faser
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Thu Apr 12 13:39:53 UTC 2007
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10.04.2007 16:55
Fernsehen über Faser
Die Heimvernetzung der nächsten Generation kommt unspektakulär daher
und etwas umständlich: Anstatt eines einzigen langen Kabels liegen in
dem Karton zwei sogenannte Medienkonverter, dazu zwei gewöhnliche
Stromkabel mit Steckertrafo, zwei Netzwerkkabel und schließlich das
eigentliche Verbindungsmedium: 15 Meter lang und aus Plastik. Das ganze
Paket heißt "Speedport OptoLAN Pack". Die Deutsche Telekom bietet es
seit kurzem Kunden an, die damit ihre Settop- Box fürs
Internet-Fernsehen an den DSL-Router anschließen wollen.
Wer die 170 Euro dafür anlegt, kann sich auf der Höhe der Zeit fühlen:
Die sogenannten optischen Polymerfasern[1] (polymer optical fibre, kurz
POF) transportieren Daten als Lichtwellen. Sie werden zwar schon seit
einigen Jahren in hochwertigen Stereoanlagen, Fabriken und Autos
verwendet, die neue Einsatzart aber wird erst jetzt so richtig
interessant: "Die Vernetzung von Privathäusern und Privatwohnungen, das
ist die große Zukunft der optischen Polymerfasern", prophezeit Hans
Poisel, Professor an der Fachhochschule Nürnberg und Leiter des POF
Application Centers. Denn mit der zunehmenden Digitalisierung der
Heim-Medien steigen auch die Anforderungen an die nötigen Verbindungen.
Sie müssen schnell große Datenmengen transportieren und sich am besten
unauffällig quer durchs ganze Haus legen lassen.
Für beides eignen sich POF hervorragend: Die Datenrate des
OptoLAN-Packs liegt bei 100 Megabit pro Sekunde, im Labor haben Poisel
und seine Kollegen schon 2,7 Gigabit geschafft. Ebenso sind POF
deutlich dünner als die bislang gebräuchlichen Ethernet-Kabel aus
Kupfer. Gegenüber den noch deutlich schnelleren, ebenfalls mit
Lichtwellen arbeitenden Glasfasern haben sie zudem den Vorteil, dass
sie billiger sind und weder beim Verlegen ums Eck noch beim
Drauftreten brechen.
Seinen Aufbau und das Prinzip hat das Polymerkabel aber mit der
Glasfaser gemein. Es besteht aus einem Kern aus
Poly-Methyl-Metharcrylat (PMMA) und einem zehn Mikrometer dünnen Mantel
aus fluoriertem Polymer. Der Mantel hat einen etwas kleineren
Brechungsindex als der Kern. Dadurch wird das Licht an der
Schichtgrenze reflektiert und tritt erst an der Stirnseite wieder aus.
Wegen der wesentlich höheren Dämpfung sind POF nur für relativ kurze
Strecken geeignet deshalb kommen in den Internet-Autobahnen wie auch
im neuen VDSL-Netz der Telekom Glasfasern zum Einsatz.
Für Heimanwendungen reicht die billigere Plastikvariante aber auch in
Zukunft allemal. Ihre Vergangenheit reicht zurück bis ins Jahr 1965:
Damals entwickelten Forscher des amerikanischen Chemie-Unternehmens
DuPont POF zunächst nur für den Transport von Licht; ihre Nutzung zur
Datenübertragung ersann zwei Jahre später der Chinese Charles Kao. Ende
der 80er-Jahre kamen die ersten Anwendungen. Im HiFi-Bereich stellten
die Lichtwellenleiter Verbindungen zwischen CD-Spielern und
Verstärkern, später auch mit MiniDisc-Playern her. Seit 1998 übertragen
POFs auch in Autos Daten von Unterhaltungs- und Navigationsgeräten.
Inzwischen fahren rund fünf Millionen Autos POFs durch die Gegend, BMW
nutzt sie sogar schon für die Airbag-Steuerung. Neben der Schlankheit
der wichtigste Vorteil in diesem Umfeld: "Optische Fasern strahlen
weder elektromagnetische Felder ab, noch werden sie durch solche
gestört", erklärt Olaf Ziemann vom POF Application Center.
Diese Tatsache machen sich auch Verfahrenstechniker schon länger
zunutze und steuern industrielle Fertigungsstraßen mittels
Polymerkabeln. Denn inmitten von Schweißrobotern und Starkstromkabeln
müssten herkömmliche Datenkabel aufwendig gegen die starken
elektromagnetischen Felder abgeschirmt werden. Der weltweite Umsatz mit
Polymerfasern lag im Jahr 2006 bei rund 750 Millionen US-Dollar. Noch
ist der Einsatz im Auto die mit Abstand wichtigste Anwendung für die
POF, gefolgt von der Industrie.
Doch mit immer schnelleren Internetanschlüssen und immer mehr Daten im
heimischen Netzwerk sieht Poisel die POF als kommenden häuslichen
Backbone: "Was wir uns vorstellen, ist, dass unten im Haus die
VDSL-Daten ankommen und dann über POF im Haus verteilt werden." Dabei
denkt er allerdings in erster Linie an Bewegtbilder wie Fernsehen und
Videospiele. Um niederbitratige Geräte wie Rollladen, Kühlschränke oder
Heizung zu vernetzen, seien Polymerkabel einfach zu viel des Guten.
(bsc[2]/Technology Review)
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Links in diesem Artikel:
[1] http://en.wikipedia.org/wiki/Plastic_optical_fiber
[2] mailto:bsc at tr.heise.de
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